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Stressverstärker: Perfektionismus – Da geht noch mehr!

Da ist noch was drin! Noch ein bisschen Potential zur Selbstoptimierung. Es immer ein wenig besser machen. Das Ende noch etwas hinaus zögern, um am Ergebnis weiter zu feilen…
Der Zeiger der Uhr rückt Stunde um Stunde weiter und der Berg an Arbeit wird einfach gefühlt nicht weniger. Kennen Sie das?
Das berühmte selbstgebaute Hamsterrad, betrieben durch das eigene unentwegte Laufen.

Perfektionismus ist ein Stressverstärker.

Menschen, die sich selbst und ihre Leistung nie als genug empfinden, mutieren regelrecht zu Workaholics. Das geht selbstverständlich auch ohne Karriere. Perfektionismus kann man in sämtlichen Lebensbereichen finden. In der Kindererziehung, im Studium, bei der Freizeitgestaltung, im Haushalt, usw. Je mehr Lebensbereiche dabei betroffen sind, desto stärker wirkt sich die Belastung aus.
Dabei fühlen sich die meisten perfektionistischen Menschen gar nicht selbst dazu in der Lage, ihren Zustand zu ändern. Schließlich sind die anstehenden Aufgaben ja da, und ordentlich gemacht soll es schließlich auch werden. Genau da liegt jedoch der Ursprung dieses Dilemmas.

Eng verwandt mit dem Perfektionismus ist nämlich das Leistungsmotiv!

Die Freude an der eigenen Leistungsfähigkeit, das Bestreben, etwas leisten und beitragen zu können, gebraucht zu werden, ein Fach zu beherrschen – das gehört zur gesunden psychischen Entwicklung des Menschen dazu. Ein überzogenes Leistungsmotiv jedoch lässt die Grenzen verschwimmen, an denen wir merken, wann es reicht.
Sicherlich, der Wäscheberg mag unbestreitbar groß sein – die Frage ist, wie viel Schmutz ein Kinder-T-Shirt tatsächlich vertragen kann und ob der Anspruch überhaupt gerechtfertigt ist, keinen Wäscheberg zu haben. Verlegen sie ihn doch einfach mal in den Keller.

Was steckt dahinter?

Warum ist eigentlich gut nicht gut genug? Wovor haben wir Angst, wenn wir perfektionistisch handeln? Misserfolg, Versagen oder eigene Fehler werden als stark selbstwertbedrohend wahrgenommen. Kommen perfektionistische Menschen also in Situationen, in denen eigenes Versagen möglich ist oder droht, geraten sie in Stress. Da die Fehlerquote jedoch nachgewiesenermaßen in langanhaltenden Stressphasen steigt, steigt wiederum die Angst vor dem Misserfolg. Der Mensch arbeitet nun noch gewissenhafter, die Stress- Spirale dreht sich immer weiter. Nach und nach führt dies zur Selbstüberforderung und schließlich zu Erschöpfung. Lesen Sie hierzu einen interessanten Beitrag aus der „Zeit“: Die Kunst des Scheiterns.

Perfektionismus Test

Haben auch Sie an sich selbst Symptome beobachtet, die auf eine perfektionistische Einstellung deuten könnten? Was verstärkt Ihren Stress? Machen Sie hier den Stresstest!

Das Pareto-Prinzip

Das bekannte Pareto-Prinzip lässt sich auf beinahe alles anwenden. 20 % unserer Zeit benötigen wir durchschnittlich, um 80 % der Leistung zu erbringen. Für den „letzten Schliff“, also die restlichen 20 % Ergebnisoptimierung, brauchen wir hingegen die restlichen 80 % unserer Zeit (und Kraft). In wie vielen Belangen reichen 80 % Leistung aus?
Eine weitere interessante Frage: Wer fordert eigentlich immer eine 100 % Ausführung? Bemerkt Ihr Vorgesetzter überhaupt, dass sie immer 100 % geben? Erstaunlicherweise reagiert die Umwelt auf eine niedrigere Leistung oft sogar zufrieden. Und wenn mal etwas nicht stimmt, dann muss man eben nochmal nachbessern. Meinen Sie nicht auch, dass man Ihnen kleine Fehler durchaus verzeihen würde? Probieren Sie es doch einfach mal aus!

Perfektionismus ablegen

Perfektionismus kann man auch wieder loswerden. Allerdings müssen Sie dabei nicht einfach alles über Bord werfen! Das Leistungsmotiv an sich hat sehr viele positive Seiten, die für einen beruflichen und auch persönlichen Erfolg unabdingbar sind. Bei einem gesunden Umgang mit dem eigenen Perfektionismus geht es viel mehr darum, die positiven Seiten des Leistungsstrebens zu erhalten und die negativen selbstüberfordernden Seiten des Perfektionismus möglichst zu verringern. Folgende Fragen können Ihnen dabei helfen, die Balance wieder zu finden:

  • Was ist das Gute am Perfektionismus? Was spricht für ihn?
  • Was ist auf der anderen Seite nicht so gut daran? Was spricht gegen die damit verbundenen Einstellungen und Verhaltensweisen?
  • Wie sieht der extreme Gegenpol zum Perfektionismus aus?
  • Wie könnte eine förderliche Einstellung lauten?

Konkret widmen wir uns unter anderem diesem Thema im Seminar „Stressbewältigung und Resilienz“. Im Coaching können wir intensiver und individueller einen konstruktiven Umgang mit dem eigenen Perfektionismus trainieren.

HILFREICHE GLAUBENSSÄTZE FINDEN

Folgende Gedanken oder Glaubenssätze sind förderlich, wenn Sie einen zu hohen Anspruch an sich selbst abbauen wollen:

  • Auch ich darf Fehler machen
  • Aus Fehlern lernt man
  • Gut gut genug
  • Weniger ist mehr
  • So gut wie möglich, so gut wie nötig
  • Lass mal fünfe gerade sein
  • Ich gebe mein Bestes und achte auf mich
  • Ich unterscheide zwischen wichtig und unwichtig
  • Nicht wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Welche förderlichen Gedanken fallen Ihnen noch ein? Wählen Sie einen Spruch aus, der Ihnen zusagt, und hängen Sie ihn an Ihren Spiegel oder an den Bildschirm am Arbeitsplatz. Zur Verinnerlichung können Sie den Spruch auch kurz vor dem Einschlafen vor Ihrem geistigen Auge wiederholen oder in eine Entspannungsübung einbinden. Wichtig ist, dass Sie Ihrer negativen/ stressfördernden Glaubenssätze stets bewusst werden und diese durch förderliche Glaubensätze dauerhaft ersetzen. Das ist Arbeit, aber es lohnt sich!

Was machen Sie, wenn Sie „mehr“ Zeit zur Verfügung haben?

Stellen Sie sich vor, sie würden Ihre Arbeit viel schneller beenden können oder auch mal das ein oder andere liegen lassen – was würden Sie mit der freien Zeit, die sich daraus ergibt, tun? Ein gutes Buch lesen, in der Hängematte liegen, einen Spaziergang machen, Sport treiben, etwas Besonderes Kochen, Basteln, Bauen, entspannen… Können Sie sich diese Zeit überhaupt zugestehen und es genießen? Gerade als Ausgleich zum Leistungsstreben ist es wichtig auch mal „Fünfe gerade sein zu lassen

Perfektionismus als Geisteshaltung

Perfektionismus ist eine Geisteshaltung, die geändert werden kann. Fällt es Ihnen schwer, dann forschen Sie weiter, seien Sie neugierig! Woran liegt es, dass ich mich selbst nur dann als genügend empfinde, wenn ich mich extrem anstrenge? Kommt mir der Gedanke, die freie Zeit nicht verdient zu haben? Oft stehen Erfahrungen aus der Kindheit dahinter. Fühlen Sie sich unsicher in der Konfrontation damit, dann holen Sie sich einfach Hilfe.

Wünschen Sie weitere Informationen zum Thema Perfektionismus? Wir beraten Sie umfassend und individuell unter 089 – 209 691 89 oder schicken Sie uns Ihre Anfrage einfach per Mail. Einen Überblick über unser offenes Seminar- und Kursangebot finden Sie hier.

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