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Das Geheimnis der Resilienz

Wie das Meer bewegt sich auch unser Leben zwischen den Extremen ruhig und stürmisch.
Mal können wir uns einfach treiben lassen, mal fordert uns das Leben heraus; manchmal so stark, dass wir um unser (seelisches) „Überleben“ kämpfen müssen. Wäre es da nicht eine gute Vorstellung, sich von diesen Lebenssituationen nicht unterkriegen zu lassen, sondern auf den „Wellen des Lebens“ sogar zu surfen?

Was bedeutet Resilienz

  • lat. resilire ‚zurückspringen‘ ‚abprallen‘
  • psychische Widerstandsfähigkeit;
  • „die Fähigkeit, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen“ (Welter-Enderling & Hildenbrand, 2006, S. 13).

Resilienzforschung

In der Forschung wurde ´Resilienz´ erstmals in den 1950er Jahren von Emmy Werner entdeckt. Damals war allgemein bekannt, dass Kinder aus Slums häufig arm bleiben und in die Kriminalität abrutschen. Neu war der Ansatz, sich die Kinder anzuschauen, die trotz prekärer Lebensverhältnisse erfolgreich wurden und es als Erwachsener schafften, sich aus diesem Umfeld heraus zu bewegen.
Werner konnte verschiedene Faktoren finden, die diese positive Entwicklung der Kinder trotz widriger Lebensumstände begünstigten. Später wurden das Konzept und auch die förderlichen Faktoren von Resilienz in der psychologischen Forschung weiter entwickelt.
Man fand heraus, dass bestimmte Lebenseinstellungen oder Haltungen und zusätzlich das Durchleben von Krisen und Herausforderungen die Entwicklung von RESILIENZ fördern.

Resilienz in der Arbeitswelt

In der heutigen Arbeitswelt betreffen wechselnde Lebenssituationen und  Anforderungen sehr viele Menschen. ´Resilienz´ bedeutet in diesem Zusammenhang, auf diese verschiedenen Situationen flexibel und angemessen zu reagieren. Stress, Frust oder andere Belastungen können so ohne psychische Folgeschäden gemeistert werden.
„Resilienz ist, wie alle Fähigkeiten, zu einem großen Teil erlernt  –  optimaler- weise durch Erfahrungen in der Kindheit.“
Was können aber die Menschen tun, die im Erwachsenenalter an ihrer Resilienz arbeiten wollen? Gibt es im Leben die Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen? Lebenslanges Lernen heißt: unser Gehirn ist plastizit. Es verändert sich ständig und passt sich an, je nachdem wie wir es benutzen und welche Erfahrungen wir machen.

´Neuroplastizität´:  auch ´neuronale Plastizität´

ist eine Eigenschaft von Synapsen, Nervenzellen oder auch ganzen Hirnarealen, sich in Abhängigkeit von ihrer Verwendung zu verändern. Neue Erfahrungen verändern das Gehirn eines Menschen bis ins hohe Alter; ohne neuronale Plastizität wäre Lernen nicht möglich. Quelle: Lexikon Stangl

Ein Training der Resilienz orientiert sich an Schutzfaktoren, die uns in Krisen widerstandfähig machen. Es ist ratsam sich also PRÄVENTIV, also ohne akute Belastung, mit diesen Resilienzfaktoren auseinanderzusetzen. Wir beziehen uns hier auf die 7 Resilienzfaktoren von Prof. Dr. Jutta Heller (2013), die den aktuellen Forschungsstand gut widerspiegeln:

7 Resilienzfaktoren nach Prof. Dr. Jutta Heller (2013)

1.    AKZEPTANZ

„Wat fott es, es fott!“ Dieser Satz aus dem Kölschen Grundgesetz trifft es ganz gut, was mit AKZEPTANZ gemeint ist: Was vorbei (weg) ist, ist vorbei. Wenn wir uns mit Unabänderlich-keiten abfinden und nicht mit dem eigenen Schicksal hadern, dann nehmen wir unsere Situation an. So schlimm alles auch gewesen sein mag – es hilft nicht, aus der negativen Emotion herauszukommen, wenn wir ständig mit der Ablehnung dessen beschäftigt sind. Denn alle Erfahrungen, auch die negativen, sind ein wichtiger Bestandteil unserer Persönlichkeitsbildung!

2.    OPTIMISMUS

Menschen, die sich und ihre Umgebung optimistisch bewerten, kommen schneller aus Krisen heraus. Hier geht es nicht um eine rosarote Brille. Es geht um die Fähigkeit, auch die andere Seite der Medaille zu sehen. Denn alles im Leben hat etwas Positives, auch wenn es auf den ersten Blick in Relation zu dem Negativen klein oder unbedeutend erscheinen mag.

3.    SELBSTWIRKSAMKEIT

Wer kennt es nicht aus dem Munde der Allerkleinsten: das „Selber anziehen!“ oder „Alleine machen!“ bringt viele Eltern im Alltag oft an den Rand der Verzweiflung. Was aber steckt dahinter? Die Überzeugung, etwas selbst zu können, stark und unabhängig zu sein, sich sicher zu fühlen, das kennen auch wir Erwachsenen. Es tut gut, daran zu glauben, dass man der Situation nicht hilflos oder passiv ausgeliefert ist. Wer nur noch auf die äußeren Umstände reagieren kann, um das kleinere Übel in Kauf zu nehmen, fühlt sich schnell im Hamsterrad.
Wer weiß, dass er selbst etwas bewirken kann, wird nicht so schnell von den Wellen des Lebens umgeworfen.

4.    NETZWERKORIENTIERUNG

Ein verlässliches soziales Umfeld zu haben, das Unterstützung bietet, ist ein großes Plus in akuten Krisen. Allerdings ist der Trick hierbei, sich dann schon ein soziales Netz aufzubauen, wenn alles im Leben rund läuft und man auch gut alleine zurecht kommen würde! Freundschaften pflegen, gerade wenn man sie nicht braucht, und Hilfenetzwerke aufbauen, wenn man selbst vielleicht gar keine Unterstützung nötig hat – das wird von vielen Menschen oft als nicht so wichtig wahrgenommen. Es fehlt die Zeit und es kostet vielleicht auch zu viel Mühe. In einer Krisensituation sind diese Netzwerke und vertrauensvollen Kontakte jedoch Goldwert.

5.    EIGENVERANTWORTUNG

Es ist wichtig, sich für die eigenen Entscheidungen selbst verantwortlich zu fühlen und auch die Konsequenzen daraus zu tragen, die „Schuld“ also nicht nur bei anderen zu suchen. Letztendlich ist jeder Mensch, unabhängig von seinem Schicksal, für die Gestaltung des eigenen Lebens selbst verantwortlich. Das eigene Schicksal nehmen resiliente Menschen gefühlt „selbst in die Hand“. Hier stellt sich die Frage: „Will ich so (in diesem Schmerz) weiter leben? Oder habe ich ein besseres Leben verdient?“

6.    ZUKUNFTSORIENTIERUNG

Genau dieser Blick nach vorne ist es, der das Leben nach einer Krise, bildlich gesprochen, „weiter gehen lässt“. Gerade in Krisen ziehen der Blick in die Vergangenheit und die Schwermut der Gegenwart alles in die Tiefe. Jetzt ist es wichtig, die eigene Zukunft selbst zu planen und sich Ziele zu setzen. Menschen mit einer stark ausgeprägten Resilienz zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur einfach irgendwie weiter machen, sondern selbstbestimmt ihre Zukunft in die Hand nehmen!

7.    LÖSUNGSORIENTIERUNG

Dazu ist es hilfreich, die eigene Aufmerksamkeit auf die Chancen zu richten und auf das zu setzen, was gut funktioniert! Lösungsorientiertes Denken und Handeln, aktiv werden, mit negativen Emotionen konstruktiv umgehen helfen enorm dabei, zurück zu einem glücklichen Leben zu finden.

Auch fernab von schweren Traumata in der Kindheit durch Missbrauch oder Vernachlässigung oder Schicksalsschlägen im Erwachsenenalter betrifft das Thema ´Resilienz´ unseren Alltag. Gescheiterte Beziehungen, familiäre Krisen oder psychische Belastungen am Arbeitsplatz fordern unsere Fähigkeit zum Zufriedensein stetig heraus.
Die größte Gesundheitsgefahr stellt heutzutage laut Weltgesundheitsorganisation WHO STRESS dar. Das Training der Resilienzfaktoren als Stärkung des natürlichen Abwehrsystems macht also gerade in diesen ´stressigen´ Zeiten Sinn.
Unser Tipp: Nehmen Sie diese 7 Resilienzfaktoren ernst und schauen Sie einmal in sich selbst hinein. Gibt es eine der oben beschriebenen Haltungen oder einen Gedanken, der Ihnen noch schwer fällt oder mit dem Sie gar nichts anfangen können? Bei welchen Resilienzfaktoren gibt es noch „Nachholbedarf“? Holen Sie sich Hilfe, solange die Wellen Ihres Lebens ruhig und beherrschbar sind.

Eine ganz konkrete Übungsanleitung zum Positiven Denken finden Sie auf unserer Homepage hier.

DASPERSPEKTIVENWERK bietet übrigens merhmals im Jahr das Wochenend-Seminar: „STRESSBEWÄLTIGUNG & RESILIENZ“ für langfristigen Stressabbau an (von Krankenkassen bezuschusst!). Stress ist (zum Glück) größtenteils selbst gemacht. Das bedeutet, dass wir unseren Stress auch am besten selbst wieder loswerden können. In einer kleinen Seminargruppe arbeiten wir an der Reflexion, was den eigenen Stress begünstigt, es werden Übungen zu Entspannung und Achtsamkeit, sowie dem Genusstraining angeboten und Impulse für die eigene Verhaltensänderung gesetzt. Für weitere Informationen & Anmeldung hier klicken.

Wünschen Sie weitere Informationen zum Thema Resilienz? Oder haben Sie das Gefühl, dass Ihnen ein Resilienztraining gut tun könnt? Wir beraten Sie umfassend und individuell unter 089 – 209 691 89 oder schicken Sie uns Ihre Anfrage einfach per Mail. Einen Überblick über unser offenes Seminar- und Kursangebot finden Sie hier.

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