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Psychische Belastung am Arbeitsplatz

„Weniger ist mehr“, ein Slogan der späten Achtziger, er klebte auf Mülltonnen und hielt dazu an, weniger zu verbrauchen. Die Generation Y  (oder auch „Why not?“ genannt), mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen, scheint diesen Spruch verinnerlicht zu haben. Weniger arbeiten- mehr Freizeit, Elternzeit, Selbstverwirklichung: Work-Life-Balance. Weniger Geld, Status, Prestige, dafür mehr Flexibilität der Arbeitszeiten, mehr Selbstbestimmung bei der Tätigkeit, mehr Sinnhaftigkeit.
Und der demografische Wandel  gibt den neuen Wilden um die 30 Recht: schon jetzt herrscht in vielen Branchen zunehmend Fachkräftemangel, in Zukunft werden Beschäftigte länger fit und motiviert bleiben müssen.
Wie können junge Fachkräfte gewonnen, gehalten und weiter entwickelt werden? Wie kann die psychische Belastung am Arbeitsplatz positiv beeinflusst werden? Wie schafft es ein Unternehmen, ein „great place to work“ zu sein?
 Und was können Unternehmen dafür tun, die eigenen älteren Arbeitnehmer in Zukunft weiter fit und innovativ zu halten?
 Der Schlüssel zu all dem lautet: Gesundheit.

„HATSCHI!“


„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ (Weltgesundheitsorganisation, 1946)
Wer gesund ist, fühlt sich also nicht nur körperlich fit, sondern auch an seinem Arbeitsplatz mit seiner Tätigkeit und der Arbeitsumgebung wohl. Das soziale Umfeld wie Kollegen, Vorgesetzte und auch Kunden spielen für die Gesundheit eine ebenso große Rolle wie das psychische Wohlbefinden. Gesundheit ist sozusagen ein lebenslanger Lernprozess.

WIE GESUND SIND WIR EIGENTLICH?

Die Zahlen der gesetzlichen Krankenkassen zeichnen ein schlechtes Bild, beispielsweise belastet 43 % der Beschäftigten der Job (Gesundheitsreport, Techniker Krankenkasse 2016). Über die Hälfte der Arbeitnehmer fühlen sich erschöpft (Arbeitszeitreport Deutschland, BAuA 2016). Die durchschnittliche beschwerdefreie Lebenserwartung in Deutschland liegt bei nur 56 Jahren (EUROSTAT) und damit auf dem vorletzten Platz im europäischen Vergleich.
Die Weltgesundheitsorganisation sieht in diesem Zusammenhang STRESS als die Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts! (WHO, 2016)
Unsere Arbeitswelt befindet sich im Wandel.

  1. VON HANDARBEIT ZUR KOPFARBEIT
  2. DER WANDEL ZUR DIENSTLEISTUNGSGESELLSCHAFT
  3. GLOBALISIERUNG
  4. DEMOGRAFISCHER WANDEL
  5. DIGITALISIERUNG

Emailflut, ständige Erreichbarkeit, Mobilität, unsichere Arbeitsplätze oder die Vermischung von Arbeit und Privatleben sind neue Einflüsse, die auf Mitarbeiter/innen und Führungskräfte einwirken. Langfristige negative Folgen gelten in diesem Zusammenhang mittlerweile als empirisch nachgewiesen (HIER zum Weiterlesen: iga-report 31 der Initiative Gesundheit und Arbeit).

GUT GEMEINT

…der Betriebskindergarten, das Fitness-Studio, der jährliche Gesundheitstag, das Stressmanagement im Callcenter, der Lauftreff, die App zum gesunden Führen,…
Viele gute Ideen sorgen vielerorts für ein verbessertes Betriebsklima. Was aber ist tatsächlich effektiv, wirksam und kostengünstig?
Dazu ist es wichtig zuerst zu wissen, was schief läuft, wo also Bedarf besteht. Wo genau entstehen Belastungen am Arbeitsplatz und welche Ressourcen können genutzt werden, um negative Folgen für die Menschen zu vermeiden?

ZWEI FLIEGEN MIT EINER KLAPPE SCHLAGEN

Der Gesetzgeber verpflichtet seit 2013 jedes Unternehmen unabhängig von der Größe, eine psychische Gefährdungsanalyse  und auch etwaige Maßnahmen zur Reduzierung von psychischen Belastungen durchzuführen (ArbSchG § 4, 5 und 6).
Gleichzeitig bietet die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen auch die Möglichkeit, wichtige Stellschrauben zu erkennen, um Arbeitsplätze nachhaltig attraktiver und die Mitarbeiter und Führungskräfte leistungsfähiger zu machen.

WAS IST EINE PSYCHISCHE BELASTUNG?

Die psychische Belastung allgemein ist nach DIN EN ISO 10075 „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“. Eine psychische Belastung ist also zunächst einmal NEUTRAL zu betrachten. Sie kann positiv, also aktivierend und leistungssteigernd, wirken oder negative Folgen haben. Das ist zum einen abhängig von der Art und dem Ausmaß einer psychischen Belastung, zum anderen aber auch von den Leistungsvoraussetzungen und Bewältigungsstrategien jedes einzelnen Mitarbeiters!
Unternehmen haben hier also zwei Möglichkeiten der Prävention: 1. die Förderung der individuellen Stressbewältigung  der Beschäftigten und 2. die Reduzierung von psychischen Belastungen am Arbeitsplatz. Letzteres betrifft den direkten Einflussbereich des Unternehmens.

„HAST DU RÜCKEN ODER HERZ?“

Negative Folgen psychischer Belastungen können sich übrigens körperlich, z.B. in Form von Diabetes Typ II oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen oder psychisch, wie z.B. durch Depressionen, Angsterkrankungen oder anderen psychischen Beeinträchtigungen. Psychische Erkrankungen sind in der Regel sehr gut heilbar und weniger verbreitet als körperliche. Trotzdem kosten sie insgesamt sehr viel mehr, da sie mit einer sehr viel  längeren Krankheitsdauer einher gehen, auf die meistens lange BEM (Betriebliche Eingliederungsmanagement) Maßnahmen folgen müssen.

EIN RANKING KRANKMACHENDER PSYCHISCHER BELASTUNGEN

  1. Hoher Job- Strain (geringerHandlungsspielraum + hohe Arbeitsintensität)
  2. Bullying (Mobbing, sexuelle Übergriffe, aggressives Verhalten am Arbeitsplatz)
  3. Geringer Handlungsspielraum (wenig eigene Entscheidungen bzgl. Inhalt und zeitlicher Einteilung von Arbeitsaufgaben, kein Anknüpfen an bisher Gelerntes möglich)
  4. Effort- Reward- Imbalance (das Ungleichgewicht zwischenerlebter beruflich geforderter Leistung und dafür erhaltener Belohnung oder Wertschätzung)
  5. Rollenstress (Rollenambiguität, Rollenkonflikte)
  6. Hohe Arbeitsintensität
  7. Arbeitsplatzunsicherheit
  8. Geringe soziale Unterstützung (sowohl instrumentell, als auch sozioemotional)
  9. Überstunden
  10. Abend- und Nachtschichten

Manche psychische Belastung lässt sich nicht einfach so „abschalten“- oftmals ist es aber möglich, selbst durch einfache, kleine Maßnahmen eine notwendige Ressource zu bilden, die große Wirkung zeigt.

WO KÖNNEN SICH PSYCHISCHE BELASTUNGEN „VERSTECKEN“?

In einer psychischen Gefährdungsbeurteilung werden vier Merkmalsbereiche untersucht (HIER zum Nachlesen: Die Empfehlungen zur Umsetzung der psychischen Gefährdungsanalyse der GDA – Gemeinsame Deutsche Arbeitsschutzstrategie)

  • Arbeitsaufgabe (z.B.: Handlungsspielraum, Über- oder Unterforderung)
  • Arbeitsorganisation (z.B.: Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit)
  • Arbeitsumgebung (z.B.: Lärm oder Arbeitsmittel)
  • Soziale Beziehungen (z.B. Konflikte zwischen Führungskraft und Mitarbeitern/innen oder Teamprobleme)

Es gibt verschiedene Wege, an diese Information zu kommen: standardisierte schriftliche Mitarbeiterbefragungen, Beobachtungen mit anschließenden Beobachtungsinterviews oder moderierte Analyseworkshops.
Mehr Informationen über die psychische Gefährdungsanalyse, sowie die 7 Schritte zur erfolgreichen Umsetzung finden Sie HIER.

AUS PFLICHTEN CHANCEN MACHEN – PSYCHISCHE BELASTUNG AM ARBEITSPLATZ REDUZIEREN!

Machen Sie Ihr Unternehmen besser: Fördern Sie die Gesundheit, Motivation und Leistungsfähigkeit Ihrer Beschäftigten, es lohnt sich! Sie reduzieren die Kosten von Fehltagen und Leistungsminderung und binden Ihre Fachkräfte langfristig. Ihre Fachkräfte können für ihre Arbeit brennen ohne am Ende mit einem Burnout dazustehen.
Wünschen Sie weitere Informationen? Wir beraten Sie umfassend und individuell unter 089 – 209 691 89 oder schicken Sie uns Ihre Anfrage einfach per Mail. Einen Überblick über unser offenes Seminar- und Kursangebot finden Sie hier.

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