Anfang, Neuanfang, wieder von vorne beginnen, überhaupt beginnen

ANFANG, NEUANFANG, WIEDER VON VORNE BEGINNEN, ÜBERHAUPT BEGINNEN…

Anfang als Begriff ist nicht leicht zu fassen, da er unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche Bedeutungen in sich birgt. Da ist einmal der Neuanfang. Dieser suggeriert, dass man etwas Altes, vielleicht auch Schlechtes hinter sich gelassen hat, um nun, unbelastet und von vorherigen Zuständen befreit, seinen Mut zusammennimmt und sich auf neues und unbekanntes Terrain begibt. Vielen Menschen macht er Angst. Ob man nun die Schule verlässt und ein Studium oder eine Ausbildung beginnt oder für einen Job ins Ausland geht, sich selbstständig macht oder eine Familie gründet, man muss zwangsläufig die alten, sicheren Strukturen hinter sich lassen und über sich selbst hinauswachsen. Denn – der Mensch, der sich der Herausforderung des Neubeginns stellt, ist nicht mehr der Alte – neu anfangen heißt gleichzeitig auch immer, neue, bisher unbekannte Seiten an sich zu entdecken und davor kann man sich schon mal fürchten. Da ist es nicht verwunderlich, dass es heißt: „Aller Anfang ist schwer“. Neuanfang heißt also immer Selbstüberwindung und Selbsterkenntnis, heißt gleichzeitig auch, dass man etwas anderes loslassen oder sogar abschließen muss. Anfangen heißt, einen Punkt in der Vergangenheit liegen zu lassen und dem Pfeil des Zeitstrahls in die Zukunft zu folgen, der keiner von uns entrinnen kann. Doch ist Anfang nicht nur Neuanfang, nicht nur etwas, das so noch nicht dagewesen ist. Denn Anfänge gibt es in schöner Regelmäßigkeit. Zum Beispiel der Anfang neuen Lebens, der immer wieder gleich vonstattengeht, von der Zeugung bis zur Geburt – ein ewiger Kreislauf. Auch das Jahr fängt immer wieder von vorne an. Zwar schreibt man vor jedes Jahr eine neue Zahl, die wieder einen Punkt auf unserem Zeitstrahl markiert, dennoch folgt auch der Beginn eines jeden Jahres dem immer gleichen Rhythmus, und das seit Ewigkeiten. So kann Anfang beides sein – das neue Unbekannte wie das immer wiederkehrende und tröstliche Altbekannte, ein Über-Sich-Selbst-Hinauswachsen oder eine regelmäßig verlässliche Struktur. Und auch, wenn es abgedroschen klingt und man diese Zeilen wohl schon tausendmal gehört und sich gedacht hat, „oh nein, nicht der Hesse schon wieder“, sei er trotz allem am Ende doch noch einmal bemüht (weil er ja auch Recht hat), denn…

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“