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Ganz im Flow

Ganz im Flow – Wenn alles wie von selbst läuft

Jeder kennt dieses Gefühl: Man geht in dem, was man gerade tut, vollkommen auf. Das Bewusstsein zerfließt förmlich und wird Eins mit der Tätigkeit. Der Rest der Welt wird ausgeblendet, alle Sorgen und Probleme scheinen Lichtjahre entfernt zu liegen. Es gibt in diesen Momenten nur dich und deine aktuell vollkommen einnehmende Tätigkeit. Du überspringst Hürde für Hürde, auch wenn sie langsam immer höher werden, wenn die Wege immer steiler den Berg hinaufführen. Wie spät war es gleich nochmal? Dein Zeitempfinden ist aufgehoben, du bist im Flow

Rein instinktiv kann jeder Mensch dieses Gefühl nachempfinden und beschreiben, denn erlebt haben es alle schon des öfteren. Aber wie entsteht dieser Zustand der Leichtigkeit, in dem einem alles so scheinbar locker von der Hand geht, als ob Wasser in ein Tal hinunterfließen würde?
Grob gesagt ist der Flow-Zustand ein perfekter Balanceakt zwischen Über- und Unterforderung, zwischen den eigenen Fähigkeiten und den Anforderungen, vor die man sich gestellt sieht. Wagt man sich als Klavieranfänger gleich an eine komplexe Beethoven-Komposition heran, wird man sehr schnell an seine Grenzen stoßen und frustriert sein, ebenso wie ein Meisterpianist beim Spielen von „Alle meine Entchen“ vor Langeweile umkommen dürfte. Entscheidend ist das Gleichgewicht zwischen Fähigkeiten und Anforderungen, und dass sich beide parallel zueinander steigern, d.h. man muss sich nach und nach immer anspruchsvolleren Herausforderungen stellen.
Das Flow-Erleben ist im Übrigen sehr subjektiv und fällt individuell verschieden aus: Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi, der den Begriff des „Flows“ prägte, führt vier Aspekte des subjektiven Flow-Erlebens an:

  • Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität
  • Alles fühlt sich mühelos an, unsere Sorgen um uns selbst verschwinden.
  • Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert.
  • Handlung und Bewusstsein verschmelzen.

Diese Punkte müssen jedoch nicht zwingend alle immer bei jedem vorhanden sein, viel wichtiger sind die drei Voraussetzungen dafür, dass ein Flow-Erlebnis überhaupt erst entstehen kann:
Die Aktivität hat deutliche Ziele, man erhält unmittelbare Rückmeldung und man führt sie der Tätigkeit wegen aus.
Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
Anforderungen und Fähigkeiten stehen im ausgewogenen Verhältnis.
Csíkszentmihályi betont auch das Erfordernis, die Erwartung eines Erfolgs der Handlung loszulassen und frei zu sein von Sorge und Angst um sich selbst oder das eigene Ansehen. Es darf kein Gedanke daran verschwendet werden, was Andere von einem denken könnten. Alle Störelemente müssen beseitigt sein, die gesamte Konzentration muss in die Aktivität fließen können. Hierbei ist es völlig egal, um welche Tätigkeit es sich handelt, ebenso bedarf es keiner besonderen Techniken, um Flow zu erleben. Wichtig ist dafür neben der angesprochenen Balance von Anforderung und Fähigkeiten, sich einem möglichen Erleben mit allen Sinnen voll und ganz zu öffnen. Flow lässt sich nicht erzwingen, es gibt kein Patentrezept dafür, aber man kann sein Eintreten vorbereiten.
Und was natürlich ganz klar zu betonen ist: Flow-Erlebnisse machen glücklich! Es ist kein kurzfristiger Nervenkitzel, kein bloßer Adrenalin-Kick, der einen hochpusht, sondern das produktive Verschmelzen von Aufmerksamkeit, Motivation und Umgebung in einen harmonischen Zustand, eine länger vorhaltende Euphorie. Flow ist eine Form von Glück, auf die man Einfluss hat.

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